Führung mit Jörg Haslinger durch die Heimstättensiedlung
Geschichten aus dem über hundertjährigen Quartier
Die Führung durch die Heimstättensiedlung am Freitag, dem 25. September 2026, war sehr gut besucht. Wir bedanken uns bei unseren Mitgliedern für die zahlreiche Teilnahme! Unser größter Dank gilt aber natürlich Jörg Haslinger, der uns kundig, aufschlussreich und immer unterhaltsam bei schönstem Wetter durch die Siedlung führte. Man kann sagen, dass er den Erinnerungsschatz dieses gut einhundertjährigen Quartiers hütet.
Vom Apfel bis zum Zahnarzt war alles vorhanden in der Heimstättensiedlung
Viele der Doppelhäuser mit den charakteristischen Mansarddächern stehen noch, einige weisen auch noch die Garagen im Kellergeschoss mit abschüssiger Zufahrt auf. Darin standen aber eher selten die Autos der ersten Bewohner, nur wenige der Wohlhabenderen in der Siedlung hatten eine Droschke und den entsprechenden Fuhrbetrieb dazu. Die Leute in der Heimstättensiedlung hatten all ihr Geld (ihre Kriegsrenten) in die Häuser gesteckt – und halfen sich nun gegenseitig beim Bau und auch danach noch im Leben.
Dass das funktionierte wie am Schnürchen, hing mit dem Selbstversorgeranspruch der Heimstättensiedlung zusammen, die ja eine soziale Idee war (wie andere Heimstättensiedlungen in Deutschland auch). Tatsächlich bot auch unsere Ramersdorfer Heimstättensiedlung ALLES, was man zum täglichen Leben brauchte: Bäcker, Schneiderin, Arzt und Zahnarzt, Wirtshaus und Kolonialladen. Zum Milchladl ist Jörg Haslinger als Bub geschickt worden, er erinnert sich gern an die patente Inhaberin – und vor allem daran, dass in der Siedlung quasi grenzübergreifend gespielt wurde, die politischen Ansichten sowie die Herkunft der Eltern blieben draußen – bloß mit den Jungs aus Berg am Laim gab es dagegen öfter mal Ärger.
Die langgezogenen Gärten in der Siedlung dienten der Selbstversorgung, Kartoffeln ließen sich auf ihren lehmigen Böden nicht ziehen, dafür grasten Schafe um die Ecke und Hühner wie Kaninchen im hauseigenen Stall.
Viele Anwohnerinnen und Anwohner von heute waren bei der Führung dabei, sie alle wollen, so wie wir, den Charakter dieses Viertels bewahren helfen. Denn es sind nicht nur die Menschen, die sich erinnern, auch Häuser erzählen ihre Geschichte und verorten sich historisch.
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