Haldenseesiedlung: Der Baumverlust ist längst real
Das Antwortschreiben der Stadt auf unseren Antrag: Konsequenter Schutz der noch verbliebenen Bäume in der Haldenseesiedlung
Ein Blick auf die Haldenseesiedlung zeigt, dass es längst nicht mehr nur um die Frage geht, welche Bäume künftig erhalten werden können. Der Verlust des gewachsenen Baumbestands ist bereits Realität.
Bereits im Wohnabschnitt WA1 (insgesamt fünf Wohnabschnitte plus Sondergebiet) wurden prächtige alte Bäume gefällt, darunter auch solche, die ursprünglich erhalten bleiben sollten. Auch in WA2 und WA3 sind Bäume gefallen, deren Erhalt vorgesehen war oder die unter Schutz standen.
Wie aus der Sitzungsvorlage der Stadt München hervorgeht, wurde in WA2 und WA3 die Fällung von insgesamt 54 geschützten Bäumen beantragt. Darüber hinaus genehmigte die Stadt die Fällung von fünf Bäumen, die im Bebauungsplan ausdrücklich zum Erhalt festgesetzt waren.
Der Verlust ist längst Realität. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das, mitansehen zu müssen, wie der gewachsene Baumbestand verschwindet, obwohl sein Erhalt ein erklärtes Ziel der Planung war. Gleichzeitig sind ihre Möglichkeiten, solche Eingriffe zu verhindern, begrenzt.
Die Bäume sind nicht mehr da. Und mit ihnen sind ihre gewachsenen ökologischen Funktionen, ihr Schatten und ein Teil der Lebensqualität im Wohnumfeld verschwunden.
Wenn Bürgerproteste zu spät kommen. Die Menschen vor Ort haben sich für den Erhalt der Bäume eingesetzt und ihre Forderungen in der Bürgerversammlung deutlich gemacht. Doch während sie um den Baumbestand kämpfen, sind andernorts bereits Fakten geschaffen worden.
Das ist die besonders ernüchternde Seite dieses Vorgangs: Die Bürgerinnen und Bürger können ihre Sorgen äußern, Anträge stellen und politische Unterstützung suchen. Sie können aber offenbar nicht verlässlich verhindern, dass Bäume, für deren Erhalt sie sich einsetzen, letztlich dann doch gefällt werden.
Die Stadt verweist auf den bestehenden Bebauungsplan und erklärt, dass ein genereller Stopp weiterer Fällungen nicht möglich sei, soweit diese zur Umsetzung der genehmigten Planung erforderlich sind.
Für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet das eine bittere Erfahrung. Sie müssen erleben, wie sich ihre vertraute Umgebung verändert und wertvolle Bäume verschwinden, während ihre Möglichkeiten, diese Entwicklung aufzuhalten, begrenzt bleiben.
Die Ohnmacht liegt darin, dass der Wunsch nach Baumerhalt zwar geäußert und protokolliert wird, die Menschen den tatsächlichen Verlust aber nicht mehr rückgängig machen können.
Aus Fehlern lernen – bevor weitere Bäume fallen. Für die noch ausstehenden Bauabschnitte WA4 und WA5 sowie das Sondergebiet ist die Situation besonders wichtig: Laut Sitzungsvorlage lagen zum Zeitpunkt der Bearbeitung noch keine Bauanträge vor. Gerade deshalb darf sich die Stadt nicht darauf beschränken, den verbliebenen Baumbestand lediglich „so weit wie möglich“ erhalten zu wollen. Die Erfahrungen aus WA1, WA2 und WA3 müssen Konsequenzen für die weiteren Planungen haben.
- Welche Bäume stehen noch?
- Welche davon sind besonders wertvoll?
- Wie lassen sich Gebäude, Zufahrten, Leitungen und Baustelleneinrichtungen so planen, dass möglichst viele dieser Bäume erhalten bleiben?
- Und wie wird sichergestellt, dass der Baumschutz nicht erst dann thematisiert wird, wenn eine Fällung praktisch bereits feststeht?
Diese Fragen müssen beantwortet werden, solange noch Gestaltungsspielraum besteht. Denn es wäre fatal, wenn sich die Entwicklung wiederholte: erst die Hoffnung auf Baumerhalt, dann die Fällungen und schließlich der Hinweis, dass die Eingriffe im Rahmen der genehmigten Planung erforderlich gewesen seien.
Der bereits erfolgte Baumverlust darf nicht zur Blaupause für die nächsten Bauabschnitte werden.
Die Stadt muss jetzt zeigen, dass der Schutz alter Bäume mehr ist als eine Absichtserklärung. Nicht die Zahl geplanter Neupflanzungen allein ist entscheidend, sondern auch die Zahl der alten Bäume, die tatsächlich erhalten bleiben. Denn was über Jahrzehnte gewachsen ist, lässt sich nicht kurzfristig ersetzen.
Die Bürgerinnen und Bürger der Haldenseesiedlung und in den angrenzenden Gebieten haben bereits erlebt, was es bedeutet, wenn der Baumerhalt gegenüber der baulichen Entwicklung zurücktritt. Jetzt muss verhindert werden, dass sich diese Erfahrung in den noch offenen Bauabschnitten wiederholt.
Der Bezirksausschuss Ramersdorf/Perlach hat das Antwortschreiben der Stadt abgelehnt und mit folgendem Hinweis reagiert:
Begründung der Ablehnung:
Der Bezirksausschuss hatte sich eine konkretere Aussage erwartet.
Die Forderungen der Bürger sollten mehr Gewicht erhalten. Es erfolgt ein Hinweis auf den Baumentscheid.
Die Bauabschnitte WA 1-3 sind nicht optimal gelaufen. Das sieht der Bezirksausschuss kritisch – nimmt das aber hin. Um das Bürgervertrauen wieder herzustellen, sollen die Abschnitte WA 4-5 wesentlich besser umgesetzt werden.
Der maximale Baumbestand muss erhalten bleiben.













